Heute habe ich meinen ersten richtigen Einsatz. Ich will den Kindern die Nähmaschine näherbringen. Eigentlich wollte ich das am Smartboard machen. Ich wollte mit den Kindern gemeinsam eine Abbildung beschriften und so die neuen Begriffe verdeutlichen. Kathrin hatte am Freitag noch eine der Schulnähmaschinen fotografiert und mir gemailt. Leider war das Foto nicht ganz scharf geworden und vor unruhigem Hintergrund, so dass Einzelteile nicht gut zu erkennen waren. Aber genau die sind bei der Nähmaschine entscheidend. Ich verbrachte eine unruhige Nacht mit einem Alptraum der von Garnrollen und Spulen handelte. Ich habe mich dann an eines der Microteachings erinnert, während dessen Verlaufes ich zum ersten Mal eine Festplatte im geöffneten Zustand gesehen hatte. Danke, Michael Sch.!
Wir (ich und die Schüler) haben uns also eine richtige Nähmaschine angeguckt und die Namen der Teile besprochen. Es war sowieso viel spannender, danach mit einer Gruppe von sechs Schülern „in echt“ zu nähen! Diese erste Gruppe war wohlgewählt in Absprache mit Kathrin: Es war wichtig, zuerst Nicole ins Boot zu holen. Sie ist leistungsmäßig die beste, aber ausgestattet mit einer sehr niedrigen Frustrationstoleranz. Sie fungiert als Zünglein an der Waage. Wenn Nicole behauptet, etwas nicht zu können, dann denken die anderen: „Dann kann ich das erst recht nicht.“ Dazu noch zwei der „Extremities“ und zum Ausgleich drei aus der Kategorie „Traum des geruhsamen Pädagogendaseins“.
Es kommt wie es kommen muss: Mary 2 will mich auf die Probe stellen, Nicole nölt herum bis kurz vor Schluss, Sarah arbeitet still und fleissig vor sich hin und ist entsprechend erfolgreich. Jack, der sonst immer für eine Störung zu haben ist, arbeitet gut mit. Sarah muss einiges an Bemerkungen einstecken („Immer ist sie der Sonnenschein! Na, du Schleimerin!“) Zuguterletzt ist Nicole nicht zufrieden damit, dass ich sie nicht gelobt habe, denn eigentlich ist es ihr wichtig! Alle wollten wissen, ob ihre Nähproben benotet werden. Ich sage, dass ich keine Noten für schöne Nähte verteile, sondern dass mir das Bemühen wichtig ist. Ich bin jedenfalls schweißgebadet gegen Ende dieser Doppelstunde!
Wir nähen übrigens ohne Faden auf Papier. Die Schüler sollen erstmal lernen, wie man den Fußanlasser bedient. Sie sollen zunächst ganz sacht drücken, zum Ausprobieren. Ich lasse sie dann aber auch Vollgas geben, weil ich vermute, dass sie der Versuchung eh nicht widerstehen können. Leider können sie auch danach der Versuchung nicht widerstehen und ich frage mich, wie ich mich da durchsetzen soll. Wir wurschteln uns durch und fangen an. Sie sollen üben, beim Nähen auf einer Linie die Spur zu halten, ohne am Papier zu ziehen oder es fest zu halten. Schwer genug! Es geht mir wie bei den Fimoperlen. Ich mag mir noch nicht ausmalen, was passiert, wenn wir mit Ober- und Unterfaden anfangen wollen.
Ich habe noch eine Doppelstunde Zeit für eine Sechsertruppe – wieder eine bunte Mischung. Diesmal notiere ich Striche wenn jemand unaufgefordert das Pedal bedient. Einmal drohe ich, eine Schülerin zur Lehrerin zurück zu schicken. Zufrieden bin ich damit nicht, aber es funktioniert ganz ok. Auch in dieser Gruppe ist jemand dabei, der mich überrascht. Michael, der gern vor sich hin träumt, hat gut und beharrlich gearbeitet. Nachdem fast alle schon abgedampft sind, kommt er zu mir und sagt, dass es Spaß gemacht hat. Ein Mädchen bekommt das mit und meint, ich hätte aber rumgemeckert. Er sagt dazu: „Dann musst du dich mal benehmen, dann klappt das auch!“