Heute ist meine Kommilitonin wieder an Bord. Die erst Doppelstunde Englisch hospitieren wir. Natürlich sprechen die Kinder meist Deutsch – trotz des bilingualen Anspruchs. Sie haben aber auf ihren Tischen Schilder kleben mit den wichtigsten englischen Sätzen die sie immer benutzen sollen. Z.B. May I go to the toilet? May I open the door? May I blow my nose? Und so weiter. Wenn man gut aufpasst (hospitiert) bekommt man das eine oder andere Schmuckstück zu hören. Jack zu Mary 1: „Go bitte please dahin!“
Jetzt da wir wieder zu zweit sind, können wir unsere Vorstellungsrunde weitermachen. Wir schnappen uns immer vier Schüler und gehen in einen Nebenraum. Dort versuchen wir, die Behauptungen der Kinder als wahr oder gelogen zu definieren und kommen darüber ganz gut ins Gespräch. Wir haben ja die Dateien der Kinder ausgedruckt vorliegen. Einigen konnte man den Wink mit dem Zaunpfahl schon ansehen. Kate, ein frühreifes, leistungsmäßig starkes Mädchen, ist auch mit ihrem Mundwerk vorn dabei. Sie schreibt, sie mag gern mit einem Jungen zusammen sein. Als ich die Behauptung vorlese, tut sie zwar peinlich berührt, möchte aber doch ganz gern, dass wir wissen, dass sie schon mehrere Freunde hatte und weitere interessiert sind. Ihr Vater ist dagegen, sie sei ja noch zu jung und soll keine Schlampe werden …
Wir fragen eigentlich auch jedes Mal nach den Geschwistern der Schüler. Einige haben auch Geschwister an der Schule. Viele haben viele (vier oder fünf) Geschwister und es ist oft die Rede von Halb- und Stiefgeschwistern und von Vätern oder Müttern, die „woanders“ wohnen. Der schicke Begriff „Patchworkfamilie“ findet hier keine Verwendung.
Zum Schluss nehme ich die verbliebenen sechs Kinder mit zum Nähen. Diesmal bin ich schlauer! Wir bauen die Maschinen auf, aber die Stecker bleiben draußen, bis ich meine Anweisungen gemacht habe. Viel entspannter das ganze! Außerdem hilft meine Kommilitonin. Vielleicht bin ich inzwischen geübter, ich spule meine Programm schon etwas routinierter ab. Diese Gruppe kann ich mehrfach gesammelt loben weil sie sich alle anstrengen und gute Erfolge haben. Woran es auch liegt, aber das macht Mut fürs nächste Mal!