Der Stundenplan der Klasse 6b sieht für heute folgendermaßen aus.
- Englisch
- Englisch
- Mathe
- Mathe
- Deutsch
- Deutsch
- Sport
- Sport
Allerdings wird der Stundenplan an Förderschulen sehr flexibel gehandhabt. Das kommt uns Studenten zugute (und Herrn Meyer), denn Kathrin kann sich zeitlich gut auf unsere Unterrichtsideen einstellen. Übrigens wird jeden Morgen von einem Schüler der Stundenplan mit Karten an eine Korkwand gesteckt. Eigentlich eine Möglichkeit Grundschulkinder an die Struktur von Schule zu gewöhnen. Aber auch von Vorteil für Förderschüler, die von Strukturen auch profitieren.
Auch heute beginnt die erste Stunde mit Organisation. Die Kinder wissen schon, dass sie mit ihren Perlen weitermachen sollen und machen sich selbständig an die Arbeit. Am Montag haben sie, nachdem ich gegangen war, tatsächlich weitere zwei Schulstunden damit verbracht. Die Ergebnisse sind unterschiedlich: Ein Schüler (von dem man das wohl nicht so erwartet hätte) ist schon ganz fertig, während andere ihre vier Reihen geschafft haben. Nachdem ich bei den Fimoperlen erlebt hatte, wie einige Schüler vermeintlich nicht einen Knoten in ein Lederband machen konnten, war ich gespannt, ob das Perlenweben in einer Katastrophe enden würde. Denn Perlenweben ist echt fummelig! Umso überraschter war ich, zu sehen, mit welcher Ernsthaftigkeit die Kinder zu Werke gehen. Auch die, bei denen das Ergebnis Wünsche offen lässt, haben offensichtlich Spaß daran.
Schon an diesem zweiten Praktikumstag haben wir Gelegenheit, Material zum Thema „Konflikte“ zu sammeln! Der Lehrer einer Parallelklasse kommt mit zwei seiner Schüler, von denen einer eine fette Schramme im Gesicht hat. Dafür war der Schüler C. aus Kathrins Klasse verantwortlich. (Ich werde mir demnächst die Liste mit den Namen aus dem Englischunterricht besorgen. Die Anonymität will ja gewahrt sein. Aber C. hört sich blöd an.) Folgendes hat sich ereignet: C. hat einen Streit mit L. (aus der Parallelklasse). Das war schon am Freitag. Man verabredete sich am Wochenende zu einer Massenschlägerei. Allerdings hatten beide Jungs Schwierigkeiten, genügend Männer hinter sich zu versammeln. Also wurde die Schlägerei vertagt. Um dafür gerüstet zu sein bastelte C. sich daraufhin am Wochenende eine Art Schlagring, und griff dann heute morgen an. In solchen Fällen wird die Polizei gerufen, die dann zur Schule kommt um mit dem Missetäter zu sprechen, das Opfer wird fotografiert; die Eltern werden informiert, der Schüler nach hause geschickt. Doch zunächst wird C. Richtung Lehrerzimmer geschickt um auf den Polizisten zu warten.
In der zweiten Stunde wird die Klasse geteilt. Die „Lions“ haben Englisch bei einer anderen Lehrerin, während die „Tigers“ bei Kathrin Englisch haben. Die Tigers üben Europäische Länder am Smartboard, sie sprechen über Wetter-Symbole, sollen Temperaturen von einem Thermometer ablesen und schließlich Wettervorhersagen machen anhand der Europakarte. Alles auf Englisch.
Als Kathrin geht, um Cs Fall mit dem Polizisten zu besprechen, sind wir dran. In unserer ersten Unterrichtsstunde leiten wir die Schüler an beim „Textilen Werken im Bilingualen Unterricht“. Das Thema: „Bead Crafts“. Und hier ist auch schon der zweite Konflikt des Tages. Sobald Kathrin die Klasse verlässt, ändert sich die Stimmung. Die Schüler zicken sich gegenseitig an, Ungeduld wird wesentlich lauter geäußert. Als die Tigers zum Englisch gehen sollen, geschieht das ausgesprochen schleppend, trotz mehrfacher Aufforderungen. Und die Lions, die jetzt weiter Perlenweben sollen, fangen auch nicht wirklich an. Sie sagen unsere Namen absichtlich falsch, eine Schülerin isst, während ich neben ihr stehe, weil sie Hilfe braucht. Ich spreche sie darauf an, aber sie behauptet, sie dürfte das. Sie grinst zwar dabei, aber legt ihr Brot auch nicht weg. Ich ergreife die Gelegenheit zur „Flucht“, als ein anderer Schüler eine Frage hat. Ich will mich wegen einer Stulle nicht auf eine Machtprobe einlassen.
Es fällt während dieser ersten Stunde nicht wirklich etwas vor, es fliegen keine Stühle! Dennoch habe ich im Nachhinein darüber nachgedacht, das man in der Lehreranfangszeit wohl seinen persönlichen Stil im Umgang mit Schülern finden muss. Und das man darauf angewiesen ist, seine Schüler schnell gut kennenzulernen, um eine gemeinsame Basis aufzubauen. Was sind Verhaltensweisen die ich ahnde, worüber kann man auch mal hinwegsehen zugunsten einer guten Stimmung, wie kann ich mich elegant aus der Affäre ziehen, wenn ich befürchte, mich nicht durchsetzen zu können. Kommt dieses Wissen von ganz allein im Schulalltag oder wird man sich das mühsam erarbeiten müssen?
In der 3. Stunde wird ein Uhren-Test geschrieben. Dazu kommt die zweite Klassenlehrerin Frau K. Viele Schüler haben noch Schwierigkeiten, die Uhrzeit von Zeigern abzulesen, deshalb war das in den vergangenen Tagen noch einmal geübt worden. Nach dem Test in der 4. Stunde geht es mit Mathearbeitsheften weiter.
In der 5. Stunde in Deutsch kommen meine Komilitonin (schreibt man das eigentlich mit zwei m?) und ich noch einmal zum Zug. Um die Schüler kennenzulernen und vor allem um mit ihnen ins Gespräch zu kommen, haben wir uns eine Art Spiel ausgedacht. Ich habe acht Behauptungen über mich selbst an das Smartboard geschrieben. (Meine Leibspeise ist Rosenkohl. In meinem Garten wohnt ein Kaninchen. usw.) Allerdings sind zwei Behauptungen davon gelogen. Die Schüler sollen Vermutungen anstellen, was wahr oder unwahr sein könnte. Natürlich sollen sie ihre Vermutungen auch begründen. Meine Komilitonin macht das gleiche. Das gibt uns die Möglichkeit den Kindern ein bisschen von uns zu erzählen. Danach sollen die Kinder das Gleiche machen. Zu zweit nehmen sie sich die Laptops und stellen ihre eigenen Behauptungen auf. Wir speichern die Dateien auf unseren USB-Stick. Wir wollen die Seiten ausdrucken und am Donnerstag kleinere Gruppen in einen anderen Raum mitnehmen und deren Behauptungen unter die Lupe nehmen, raten, begünden usw. Das Schreiben am Computer bringt ihnen viel Spaß und sie freuen sich auch auf die Auswertung.
Hallo Judith!
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Freut mich, dass Du die ersten Tage des Praktikums gut überstanden hast und schon einiges erlebt hast. Ging ja nahe an das erwartete Stühle werfen ran.
Mir gehts soweit sehr gut und ich fühle mich in der Schule sehr wohl, aber das kannst Du Dir sicherlich vorstellen
Lass uns nächste Woche mal telefonieren!
Weiterhin VIEL ERFOLG im Praktikum und beim Bloggschreiben!!!
Liebe Grüße
Andrea