Der erste Tag wäre geschafft!
Wie geplant waren meine Komilitonin und ich um kurz vor 8 Uhr vor Ort und gingen mit der Mentorin in die Klasse. Die Klasse – 6 Jungs und 11 Mädchen – ist es gewöhnt, Hospitationsbesuch zu haben und hat sich dementsprechend kaum um uns geschert. Der Schultag begann mit Organisation. Erstaunlich, wieviel Zeit dabei drauf geht, Hausaufgaben oder Essensgeld einzusammeln, an Tests zu erinnern die noch unterschrieben werden müssen und so weiter. Die Schüler kennen das wohl so, jedenfalls haben sich die meisten einigermaßen still verhalten, während die Lehrerin organisierte.
Dann ging es los mit einer Begrüßung, wir Studenten wurden vorgestellt, der Tag wurde besprochen. Es gab eine Doppelstunde Mathe, eine Doppelstunde Deutsch und eine Doppelstunde Kunst (und dann muss noch etwas gekommen sein, aber ich habe es nicht behalten). Bei jedem Fach, das genannt wurde freute sich ein Teil der Schüler. In Mathe arbeiteten alle in einem Arbeitsheft, als Belohnung für gute Mitarbeit wurde ihnen Vier-Gewinnt auf einem Hunderterfeld in Aussicht gestellt. Hier kam zum ersten Mal das Smartboard ins Spiel. Auf dem Smartboard gab es ein Hunderterfeld. Die Schüler sollten Mal- und Geteilt-Aufgaben und die Ergebnisse nennen. Die Ergebnisse wurden umkringelt. Schaffte ein Schüler eine Reihe mit vier Kringeln bekam er einen Punkt. Das Spiel war offensichtlich schon bekannt, denn es gab sogar schon eine Liste auf der die Punkte am Ende eingetragen wurde.
Nach der Pause ging es mit Deutsch weiter. Die eine Hälfte der Klasse fing an an Laptops zu arbeiten. Ein Text sollte aus einem Buch abgetippt werden. Die ander Hälfte der Klasse arbeitete an einem Deutscharbeitsheft. Nach Ablauf einer bestimmten Zeit (ein Wecker war gestellt worden) wurde getauscht. Hier haben wir Hospitanten zum ersten Mal Einsatz zeigen können. Irgendwo gab es immer eine Frage zu klären. Und die Schüler waren ganz froh, nicht immer auf die Lehrerin warten zu müssen.
Die erste Stunde Kunst verging damit, dass ein Projekt fertig gestellt wurde. Die Kinder hatten Amulette und Perlen aus Fimo gefertigt, die inzwischen hart gebrannt waren. Auch hier beanspruchte das Organisieren die meiste Zeit. Bis jeder seine Perlen wiedererkannt, ein Lederband bekommen und durchgefädelt hatte, war die Stunde um.
Wiederum nach einer Pause wurde ein neues Projekt angefangen. Passend zum Thema „Indianer“ dass in Geschichte derzeit behandelt wird, soll nun mit Perlenweben begonnen werden. Zur Einführung kam das Smartboard zum Einsatz. Und die englische Sprache! „Meine“ Klasse ist nämlich eine bilinguale, das heißt, Teile des Unterrichts werden auf Englisch abgehalten. Also wurden zunächst passende Vokabeln geklärt, und dann in Wort und Bild das Weben mit Perlen erläutert, und zwar auf Englisch. Es folgte die Praxis, und einige Schüler konnten erst so richtig verstehen was sie tun sollten, indem sie es ihren Mitschüler nachmachten. Es wurden Muster entworfen, Webrahmen bespannt, Perlen verteilt und schließlich gefädelt und gewebt. Ganz schön kompliziert. Unsere Hilfe wurde gerne angenommen. Und trotzdem stießen hier einige Schüler an die Grenzen ihrer Geduld. Passenderweise genau die Schüler, die die Lehrerin uns mit eher niedriger Frustrationstoleranz beschrieben hatte.
Für die Schüler war der Schultag zwar noch nicht ganz um, aber ich musste meine Hospitation für heute beenden. Ich bin gespannt, was die nächsten Tage so bringen.
